Nun stehen wir also in diesem „anderen‘ Advent 2020: Wenn er nicht für viele Menschen mit sozialen, psychischen oder materiellen Einschränkungen verbunden wäre, müsste man sagen, das könnte eine Zeit werden, in der man sich mehr auf das konzentrieren kann, was der Advent wirklich sein will.

Um sich darauf konzentrieren zu können, muss man allerdings wissen, was er überhaupt sein will. Wir werden uns wahrscheinlich ziemlich einig sein in der Ansicht, dass die starke Verlagerung auf Konsum und Kommerz eher eine Verirrung der letzten Jahrzehnte ist. In Wirklichkeit würde sich – abgesehen von der Fastenzeit – jede andere Jahreszeit besser dafür eignen als gerade die Zeit, an deren Ende wir die Geburt des Retters in einem STALL feiern.

Auch wenn ich jetzt schon den Blick auf die Geburt Jesu im Stall gelenkt habe: darum geht es zunächst gar nicht im Advent. Der Advent, „adventus domini“ will unseren Blick auf das Kommen des Herrn am Ende der Zeit richten, wo Gott sich alles unterwerfen wird.

Alles Irdische wird vergehen, das ist im Evangelium des ersten Adventsonntags zu lesen: die Sonne wird sich verfinstern, der Mond wird nicht mehr scheinen, die Sterne werden vom Himmel fallen (Deshalb bezeichnen wir das Firmament immer noch als Himmel, obwohl wir ja wissen, dass der Himmel nicht da oben ist!). Das Ende wird also mit Zusammenbruch, Zerfall und Tod zu tun haben, es wir aber nicht das wahre Ende sein, sondern Vollendung. Aus dem Tod des Vergänglichen wird das neue Jerusalem erstehen, in dem Gott alles in allem sein wird. Das ist der Blick, zu dem uns der Advent einlädt. Ein Gefühl sollte also in dieser Zeit nicht fehlen: Es ist in der Vater-Unser-Bitte ausgedrückt: „DEIN REICH KOMME“. Dieser sehnliche Wunsch sollte uns im Advent begleiten.

Dieser Eine, den Jesaja noch nicht kannte, ist Jesus Christus. Er ist der Türöffner zu jenem Reich. Durch ihn kommt die Herrschaft Gottes und das Reich, in dem man keine Waffen mehr bauen und nicht mehr für den Krieg üben wird.

Es ist also durchaus passend, wenn wir den Geburtstag Jesu am Ende der Zeit des Wartens und der Sehnsucht feiern. Und es ist durchaus passend, wenn wir in diesen Wochen des Wartens und der Sehnsucht IHM unsere Türen öffnen, versuchen, die Straßen gerade und die Hügel eben zu machen. Wenn wir Ihm die Türen öffnen und IHN aufnehmen, dann erfüllt sich der Wunsch: „Dein Reich komme!“.

Möge diese Advents- und Weihnachtszeit dadurch gesegnet sein, dass sie uns, die ganze Welt und Gott seinem großen Vorhaben näherbringt: dass sein Reich kommt.

Präses Arnold Feurle

Kolping Bregenz